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Dachwert

Photovoltaik auf dem Ost-West-Dach: Ertrag, Vorteile, Rechnung

Stand: 05.10.2026 · 5 Min. Lesezeit

Meist ja: Ein Ost- oder Westdach bringt nach Daten des Fraunhofer ISE bei 30 Grad Neigung etwa 80 % des Ertrags eines Süddachs, dafür verteilt sich die Erzeugung auf Vor- und Nachmittag, was den Eigenverbrauch erleichtert. Entscheidend sind der Preis pro kWp, dein Verbrauch und mögliche Verschattung.

Wie viel Ertrag bringt ein Ost-West-Dach?

Das Fraunhofer ISE hat das relative Ertragspotenzial je Ausrichtung und Neigung veröffentlicht (Standort Freiburg, ohne Verschattung, bester Wert = 100 %):

NeigungSüdOstWest
20°96 %82 %81 %
30°99 %81 %79 %
40°100 %78 %76 %
Flach (0°)84 %84 %84 %

Bei 45 Grad Neigung bringt ein Westdach laut ISE ca. 26 % weniger Jahresertrag als ein Süddach. Für unser Beispielhaus (9,46 kWp, Süd ca. 8.600 kWh) wären das mit je einer Hälfte nach Ost und West bei 30° Neigung rund 6.900 kWh pro Jahr. Das ist ein Beispiel für Mitteldeutschland, in deiner Region kann es abweichen.

Wie wirkt sich die Dachneigung aus?

Bei Ost-West gilt: Je flacher, desto besser. Nach der ISE-Tabelle bringen Module bei 10 Grad Neigung nach Ost oder West noch ca. 83 %, bei 40 Grad nur noch 76 bis 78 % und bei 60 Grad ca. 68 bis 70 %. Auf einem steilen Ost-West-Dach verlierst du also deutlich mehr als auf einem flachen oder flach aufgeständerten Dach. Ein Ost-West-Giebel mit 45 bis 60 Grad ist damit einer der schwächeren Fälle, rechne dort genau.

Welche Vorteile und Nachteile hat Ost-West?

VorteileNachteile
Strom morgens und abends statt nur mittagsca. 20 % weniger Jahresertrag je kWp
Mehr Direktverbrauch bei normalem TagesablaufStrom pro kWh etwas teurer
Zwei Dachseiten nutzbar, mehr GesamtleistungWechselrichter-Planung aufwendiger
Niedrigere Mittagsspitze, weniger AbregelungGeringer Ertrag im Winter

Das Fraunhofer ISE schreibt, dass sich die Erzeugung bei Anlagen abseits der Südausrichtung Richtung Morgen oder Abend verlagert und dass Ost-West-Module auf Flachdächern das Tagesprofil verbreitern.

Wie sieht der Tagesverlauf aus?

TageszeitSüddachOst-West-Dach
MorgenschwachOstseite liefert früh
Mittaghohe Spitzeflachere, niedrigere Spitze
Nachmittag, Abendfällt schnell abWestseite trägt länger

Wer morgens und abends zu Hause ist, nutzt so mehr Solarstrom direkt. Das ist der Grund, warum Ost-West oft besser abschneidet, als der niedrigere Ertrag vermuten lässt.

Lohnt sich Ost-West wirtschaftlich?

Das Fraunhofer ISE schreibt, dass sich Photovoltaik auf einem Ost- oder Westdach insbesondere bei hohen Strombezugspreisen mit Eigenverbrauch trotzdem lohnen kann. Hier eine einfache Beispielrechnung: Investition 13.300 € (siehe Photovoltaik Kosten), geteilt durch den Ertrag über 20 Jahre, ohne laufende Kosten und ohne Alterung der Module.

SüdOst-West
Jahresertrag (Beispiel)ca. 8.600 kWhca. 6.900 kWh
Kosten je erzeugter kWhca. 7,7 ctca. 9,6 ct

Das Ergebnis, wenn du die Kosten mit den Preisen vergleichst:

  • Selbst genutzte kWh: spart ca. 38 ct. Dagegen sind 9,6 ct sehr günstig.
  • Eingespeiste kWh: bringt 7,7 ct bis 31.12.2026 und geplant 5,2 ct danach. Das deckt die 9,6 ct nicht.

Bei Ost-West zählt der Eigenverbrauch also noch mehr als bei Süd. Eine Anlage, die vor allem Strom einspeist, rechnet sich auf dem Ost-West-Dach schlechter. Für den Vergleich ohne und mit Speicher hilft Lohnt sich Photovoltaik?

Worauf solltest du bei der Planung achten?

  • Verschattung: Morgens und abends steht die Sonne tief. Bäume und Nachbargebäude können dann mehr stören als mittags.
  • Wechselrichter: Frag den Fachbetrieb, wie Ost- und Westseite elektrisch getrennt geführt werden (zwei Stränge oder Eingänge).
  • Flachdach: Dort sind aufgeständerte Ost-West-Systeme üblich. Die Aufständerung beeinflusst Ertrag, Verschattung und Dachlast. Das prüft der Fachbetrieb.
  • Preis vergleichen: Frag im Angebot nach dem Preis pro kWp und dem erwarteten Jahresertrag je Dachseite.
  • Einspeisung begrenzen: Der Entwurf zum EEG 2027 sieht vor, dass kleine Dachanlagen ihre Einspeisung dauerhaft auf 50 % der Leistung begrenzen müssen. Das trifft tendenziell Anlagen mit hoher Mittagsspitze stärker. Das Gesetz ist noch nicht beschlossen.

Wie viele Module auf deine Dachseiten passen, siehst du im Ratgeber Wie viele Module passen auf mein Dach? Und was dein Dach tatsächlich bringt, zeigt die kostenlose Dach-Analyse.

Kurzcheck: Ost-West ja oder nein?

  • Du bist morgens oder abends oft zu Hause und nutzt dann Strom: spricht dafür.
  • Das Dach ist flach geneigt (unter 30 Grad): spricht dafür.
  • Es gibt keine geeignete Südseite: Ost-West ist dann meist besser als nichts.
  • Starke Verschattung am Morgen oder Abend: vorher prüfen lassen.
  • Du planst vor allem Einspeisung: eher schwach.

Quellen

Alle Rechenbeispiele sind Schätzungen mit den genannten Annahmen und kein Angebot. Stand: 05.10.2026.

Häufige Fragen

Brauche ich bei einem Ost-West-Dach einen Speicher?

Nicht zwingend. Weil die Erzeugung länger am Tag verteilt ist, nutzt du mehr Strom direkt. Ob ein Speicher sich trotzdem lohnt, hängt von deinem Abend- und Nachtverbrauch ab. Mehr auf der Seite Photovoltaik mit Speicher.

Kann ich Süd und Ost-West kombinieren?

Ja. Das Fraunhofer ISE empfiehlt, Zusatzmodule auf einer Ost- oder Westseite mit einer Grenzkostenbetrachtung zu prüfen: Weitere Module verursachen vergleichsweise geringe Installationskosten und verschieben die Erzeugung in den späteren Nachmittag.

Wie viele Module passen auf ein Ost-West-Dach?

Das hängt von der nutzbaren Fläche beider Dachseiten ab. Eine Rechenhilfe steht im Ratgeber Wie viele Module passen auf mein Dach?

Ist ein Ost-West-Dach auch 2027 noch sinnvoll?

Wenn die Einspeisung weniger vergütet wird, zählt der Eigenverbrauch mehr. Ost-West-Anlagen erzeugen weniger Mittagsspitzen und passen deshalb tendenziell gut dazu. Das ist unsere Einschätzung, keine Zusage. Die geplanten Regeln stehen auf der Seite Einspeisevergütung 2027.